Donnerstag, 27. Januar 2011
The Perfect Position (?)
Jack arbeitet bei einem Optometristen. Das sind meines Wissens Leute, die Geräte herstellen, die die Kuckleistung von Augen messen können. Ich könnte mich auch täuschen. Bei diesem Optometristen geht es aber hoch her, denn Jack ist ein gutmütiger Junge und vermietet sein Apartment an Kumpel Dean, wenn jener mal wieder eine Frau abgeschleppt hat. Da das sehr häufig der Fall ist und Dean sich niemals bemüßigt fühlt, die Wohnung nach erfolgtem Beischlaf wieder aufzuräumen, schiebt Jack Frust. Nicht zuletzt, weil er in stummer Liebe zu Sekretärin Anita entbrannt ist. Ob auch er seine geheimsten Wünsche über die Kuckleistung seiner Augen hinaus verwirklichen kann?

Diese anonyme Produktion ist eine sehr billige Angelegenheit aus New York, die nichtsdestotrotz die Chuzpe besitzt, sich an Billy Wilders tollem DAS APPARTEMENT zu orientieren. Und wenn man gramgebeugt durch unzählige Stunden fleischlichen Gebalges hindurchgewatet ist, freut man sich einfach über so etwas! Der Regisseur beweist den festen Willen, neben den Sexszenen (=weitgehend uninteressant) auch komödiantisches Geschick zu beweisen. So gibt es gleich zu Anfang eine Parallelmontage, die Zottelkopf Deans Besteigungsbemühungen zeigt, bei der er Jacks Wohnung komplett verwüstet und immer nur sagt: „Jack wird das schon saubermachen.“ Dieses Mantra führt ihn zum ersehnten Ziel mit einer fröhlich strahlenden Darstellerin mit einem lustigen Mondgesicht, bei der es sich übrigens um Paula Morton handelt, die ungefähr um diese Zeit Gerard Damiano geheiratet haben muß und bis zu seinem Tode nicht mehr von seiner Seite wich. Ein weiterer Szenenkomplex widmet sich der jammervollen Ehe von Jack und Deans Chef, der von Jake Teague gegeben wird, einem New Yorker Spezialisten für ältere Herren. Teague (der in zwei Lenzis landete und einem Deodato!) ist nämlich mit einer deutlich jüngeren Frau verheiratet, die nicht nur sein TV-Dinner im Ofen verschimmeln läßt, sondern auch in so ziemlich jeder anderen Hinsicht Peggy Bundy nacheifert, sieht man einmal vom Sexhunger ab. Teague möchte nämlich auch mal wieder, und Charakterschwein Dean ist ihm in dieser Hinsicht behilflich. Neben Frau Damiano ist auch noch die Tänzerin Arlana Blue anwesend, die im Film ihre Freundin spielt und seit den frühen 70ern – häufig unter dem hübschen Pseudonym „Angel Spirit“ – in so mancher Produktion auftauchte. Die Darstellerin, die Teagues ständig Fernsehen glotzende Gattin spielt, hatte später eine der Hauptrollen im glänzenden BLONDE AMBITION der Amero-Brüder, der mittlerweile auf DVD wiederveröffentlicht worden ist. Einige der Darsteller finden sich auch in der ebenfalls bürobezogenen Plotte GULP wieder, weshalb ich es durchaus für möglich halte, daß jene von denselben Leuten stammt. Insgesamt nichts wirklich Bemerkenswertes, aber immerhin mit einem Mindestmaß an Stil und Ambition gemacht. Ich hatte durchaus meinen Spaß.

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